Vom Bücherflohmarkt zur Golden Backlist

Letztes Wochenende fand ich auf meinem Schreibtisch einen kleinen, unscheinbaren Zeitungsartikel. Er kündigte einen großen Bücherflohmarkt im Nachbarort an und mein Vater hatte ihn mir hingelegt. Er kennt mich eben ausgesprochen gut. Sowohl ihm als auch mir war wohl umgehend klar, dass ich dort hin muss. Genau wie ich nie an Buchhandlungen und Bibliotheken vorbeikomme, muss ich bei Bücherflohmärkten mindestens einen kurzen Halt einlegen. Zumal es von dieser Sorte nicht allzu viele im näheren Umfeld gibt. Eine solch seltene Gelegenheit lasse ich mir daher nicht so schnell entgehen, dachte ich mir.

Wenige Stunden nachdem ich den Artikel gelesen hatte kamen mir leise Zweifel. Ein Blick zu meinem Bücherregal reichte aus und die Verantwortung gegenüber den zahlreichen ungelesenen Büchern baute sich wie eine Wand vor mir auf. Sollte ich nicht zuerst einmal das lesen, was da ist? Gerade erst hatte ich den Entschluss gefasst mich auf die Bücher zu konzentrieren, die sowieso schon im Regal stehen.  Minimalismus und so, ihr wisst schon. Auf die Zweifel folgte der Gedanke, dass ich doch nur mal schauen könnte, mehr nicht. Eine Handvoll Bücher abgeben, die ich ohnehin aussortiert hatte. Vielleicht einen Blick über die Bücher, die angeboten werden, schweifen lassen. Ansonsten aber relativ zügig und mit gutem Gewissen die Räumlichkeiten verlassen. Ungefähr 1,5 Stunden nachdem ich gemeinsam mit meinen Eltern den Flohmarkt betreten hatte, haben wir uns mit einer Klappkiste voll Bücher und einem glücklichen Funkeln in den Augen zurück in Richtung Auto bewegt.

Bücher strahlen auf mich eine unbändige Sogwirkung aus. Das war schon immer so. Das wird immer so bleiben. Beschreiben, wieso das so ist, kann ich kaum. Egal welche Wörter ich wählen würde, sie würden den Kern der Wahrheit nicht annähernd treffen. Oben hatte ich schon das Wort Minimalismus in den Raum geworfen. Dass dieses Vorhaben in diesem Fall gewissermaßen missglückt ist, kann ich nicht leugnen. Dennoch möchte ich den Fokus in meinem Leben gerne stärker auf das Wesentliche richten. Das Überflüssige reduzieren. Weniger Konsum. Mehr Bewusstsein für das was zählt schaffen.

Hierzu zählt für mich auch, dass ich bei der Auswahl meiner Lektüre bewusster vorgehen möchte. Durch die Arbeit im Buchhandel erlebe ich den rasanten Austausch der Neuerscheinungen noch intensiver. Ein Taschenbuch, das sich nicht gut genug verkauft, wird nach wenigen Monaten (oft nicht einmal ein halbes Jahr) zurückgeschickt und durch andere Neuheiten ausgetauscht, die ebenfalls Platz einfordern. Auch als Leserin fühle ich mich immer häufiger überfordert und erschlagen von den Massen, die Monat für Monat veröffentlicht werden. Umso größer ist inzwischen der Wunsch, laut „Stopp!“ zu rufen. Sich weniger hetzen. Und sich viel öfters älteren Büchern widmen. Und dabei handelt es sich wohlgemerkt in vielen Fällen um Bücher, die streng genommen noch gar nicht wirklich „alt“ sind. Als Leserin ist es für mich von großer Bedeutung, dass sie in der Hektik nicht in Vergessenheit geraten, in der Masse nicht untergehen.

Simone hat auf ihrem Blog Papiergeflüster letztes Jahr die #GoldenBacklist Challenge ins Leben gerufen. Es gab keine besonderen Regeln, die es zu befolgen galt. Um teilzunehmen, musste man schlicht und ergreifend einfach nur ein Buch lesen, das vor mindestens 5 Jahren erschienen ist und anschließend darüber schreiben. Die Challenge läuft zwar, soweit ich das weiß, nicht mehr offiziell, aber ich möchte die Grundidee, die dahinter steckt, gerne ab sofort wieder aufgreifen und selbst verstärkt umsetzen.

  • Sven Regener: Herr Lehmann
  • David Guterson: Schnee, der auf Zedern fällt
  • Anne Tyler: Atemübungen
  • Connie Palmen: I.M. – Ischa Meijer – In Margine, In Memoriam

Die Bücher, die ich mir auf dem Flohmarkt ausgesucht habe, passen da recht gut und ich freue mich schon darauf, sie bald zu lesen und euch davon zu erzählen.

Geht es euch ähnlich wie mir oder fällt es euch leichter an Bücherflohmärkten vorbeizugehen? Und wie steht ihr zu den Massen an Büchern, die jährlich erscheinen? 

  1. Schön, dass die Idee der Golden Backlist weiterlebt 🙂 Ich lese auch weiterhin bewusst ältere Bücher und verwende den Hashtag #goldenbacklist weiter. Viel Freude mit diesen Schätzen!

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