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Wenn der Funke überspringt

Die scheinbar einfache Frage nach einem Lieblingsschriftsteller oder einer Lieblingsschriftstellerin gestaltet sich für mich beinahe ebenso schwierig wie die nach einem Lieblingsbuch. Wenn ich mich umhöre, kommen die Antworten wie aus der Pistole geschossen. Manchmal wird ein paar Sekunden überlegt, woraufhin in überzeugtem Tonfall bestimmte Autoren genannt werden. Im Rahmen der Literaturaktion #Buchpassion von Janine dreht sich dieses Jahr alles um dieses Thema. Wer hat dich oder dein bisheriges Leben auf literarischem Weg besonders geprägt? Bei welchem Autor rennst du umgehend in die nächste Buchhandlung, um dich blindlings in die allerneueste Neuerscheinung zu stürzen?

Seitdem klar ist unter welchem Motto die Aktion steht, konnte ich mich nicht wirklich entschließen und grüble auch jetzt in diesem Moment noch vor mich hin. Mein Kopf ist nicht wie leer gefegt. Da sind beispielsweise Thomas Glavinic oder Meike Winnemuth, die mich und meine Leseerwartungen in erheblichem Maße beeinflusst haben. Für Das größere Wunder habe ich mein Rad nach Hause geschoben, um auf dem Heimweg bloß nicht mit dem Lesen aufhören zu müssen und bin auch sonst ausnahmslos in jeder freien Minute mit dem Buch vor dem Gesicht durch die Gegend gelaufen. Die Faszination, die von dieser Geschichte ausgeht, kann ich nur schwer beschreiben. Sie ist aber trotzdem bis heute allgegenwärtig. In Das große Los habe ich ein Zettelchen nach dem anderen geklebt. An Stellen, bei denen ich wild und zustimmend mit dem Kopf genickt habe oder die ich unbedingt verinnerlichen wollte. Das ganze Buch ist quasi voll davon. Jodi Picoult ist es ebenfalls gelungen, insbesondere mit 19 Minuten, moralische Vorstellungen und Ansichten, an denen in meinen Augen eigentlich nicht zu rütteln war, in ein neues Licht zu rücken. Springen wir rund zwanzig Jahre zurück. Damals habe ich spätestens mit den abenteuerlichen und phantastischen Geschichten von Astrid Lindgren und Michael Ende als Kind die Welt der Bücher entdeckt, die mich bis heute gefangen hält.

Wieso ich lese, was ich lese.

Bei all der Gedankenspielerei drängt sich mir an dieser Stelle die Frage auf, ob ich vielleicht zu viel Aufhebens um das Wörtchen „Liebling“ mache. Dass ich es nicht so engstirnig sehen sollte. Möglicherweise ist viel wichtiger, welche Geschichtenerzähler ich mehr wertschätze als andere und warum das so ist. Es mag bei jedem anders sein, aber ich kann mich schlicht und einfach nicht auf einen einzigen Autor oder eine ausgewählte Autorin festlegen. Hinzu kommt, dass es niemanden gibt, von dem ich uneingeschränkt alle bereits veröffentlichten Bücher gelesen habe. Das ist zumindest das, was mir meine Erinnerung weiß machen will. Muss ich überhaupt alle Werke gelesen haben, um jemanden mit diesem großen Titel zu küren? Oder reicht eins, das mich so stark getroffen hat, dass ihm ein gehobener Platz in meinem Herz zusteht?

Ich wiederhole mich vermutlich, aber ich kann es gar nicht oft genug sagen. Eine Zeit lang habe ich in erster Linie deshalb zum Buch gegriffen, weil ich auf der Suche nach guter Unterhaltung war. Das ist im Grunde nicht verkehrt. Inzwischen hat sich das Blatt jedoch eindeutig gewendet. Der reine Unterhaltungszweck ist deutlich in den Hintergrund gerückt. Im Vordergrund steht nun wesentlich mehr. Nicht zuletzt ist das Thomas Glavinic zu verdanken. Jonas, der zentrale Protagonist in dem oben genannten Buch, geht bewusst oder unbewusst immer wieder an seine persönlichen Grenzen. Er zeigt was alles möglich ist, erscheint es noch so unmöglich. Nach dem Lesen habe ich eine innere Ruhe gespürt, die sich mit Dankbarkeit und unendlicher Begeisterung abwechselte.  Wenn du ein Buch gelesen hast, das dich in all seinen Facetten bereichert und das du jedem Menschen in die Hände drücken möchtest, dann war es nicht nur gut, sondern grandios. Dann hat es im richtigen Moment den Weg zu dir gefunden. Dann wird es dich womöglich noch viele Jahre oder sogar dein restliches Leben begleiten. Du wirst von Zeit zu Zeit darin blättern. Es wird dir zur Seite stehen, dich trösten oder dir hin und wieder ein Lachen entlocken. Und das ist der Grund, wieso ich Autoren und Autorinnen dankbar bin. Für Geschichten, die mir dieses Gefühl schenken!

Foto oben: Liana Mikah auf Unsplash

13 Kommentare zu “Wenn der Funke überspringt

  1. Hallo Juliana,

    wegen solcher schönen Artikel veranstalte ich #buchpassion. Danke! 🙂 Ich hab mir natürlich auch ein neues Buch auf meine Wunschliste geschrieben,

    Viele Grüße,
    Janine

    • Hallo Janine,
      ich danke dir für diese wunderbare Aktion, die die Bedeutung von Büchern feiert! 🙂
      Welches Buch ist denn auf deiner Liste gelandet? Jetzt bin ich neugierig!
      Viele Grüße
      Juliana

  2. Pingback: #Buchpassion – Edition: Lieblingsautorinnen und -autoren

  3. Liebe Juliana,

    dein Artikel gefällt mir sehr. Besonders ein Punkt, den du erwähnst, trifft voll ins Schwarze: Es reicht eigentlich völlig aus, von einem Buch eines bestimmten Schriftstellers begeistert zu sein, um ihn als Lieblingsautor zu klassifizieren.

    Bei mir ist es so, dass ich immer gleich alle Romane eines Schriftstellers lese, wenn mich ein Buch begeistert hat.

    Die von dir aufgeführten Autoren Thomas Glavinic und Meike Winnemuth kenne ich nicht, aber jetzt bin ich neugierig geworden und werde mal in das ein oder andere Buch reinlesen.

    Liebe Grüße

    Rosa

    • Liebe Rosa,

      es freut mich, dass du der gleichen Meinung bist und ich damit nicht alleine da stehe!

      Bei mir ist es eben komischerweise selten so, dass ich dann alle Bücher eines Autors lese. Erst recht nicht in einem Rutsch. Manchmal hat mich ein Buch extrem begeistert und die anderen Titel sprechen mich thematisch nicht besonders an. Oder vielleicht habe ich auch manchmal Angst, dass die anderen Bücher nicht mithalten können. Wer weiß.

      Wenn du magst, kannst du mir anschließend ja schreiben, ob dir die genannten Bücher gefallen haben bzw. ob sie dich beim Reinlesen überzeugen konnten. Ich würde mich freuen!

      Viele Grüße
      Juliana

  4. Huhu Juliana!

    Oh ja, es ist so schwer sich auf einen Namen festzulegen – das fiel mir auch nicht leicht … Winnemuth sagt mir im ersten Moment so gar nichts. Aber ich habe im letzten Jahr meinen ersten Glavinic (Der Jonas-Komplex) gelesen und ein weiteres liegt bereits auf meinem SuB.

    Hab einen feinen Sonntag!

    • Hallo Janna,

      wie hat dir denn der Jonas-Komplex gefallen? Ich hatte es tatsächlich mal angefangen zu lesen, bin zu dem Zeitpunkt aber nicht ganz warm geworden damit, wobei ich auch nicht lange drangeblieben bin, muss ich gestehen. Im Blick habe ich vor allem „Die Arbeit der Nacht“, das würde ich gerne bald noch lesen.

      Viele Grüße und dir eine schöne Woche,
      Juliana

  5. Hey Juliana,

    Ein schöner Beitrag zur #buchpassion.
    Bei mir ist es zwar „noch“ so, dass ich für die Unterhaltung lese, aber vielleicht ändert sich dies ja auch irgendwann.

    LG, Moni

    • Hallo Moni,

      daran ist auch überhaupt nichts auszusetzen 🙂 Literatur kann so vieles bewirken, auslösen oder auch einfach nur gut unterhalten!

      Viele Grüße
      Juliana

  6. Hallo Juliana,
    ein toller Beitrag der sich wunderbar lesen lässt.
    Durch deine gut gewählten Worte sind wieder ein paar Bücher auf meine Leseliste gewandert. 🙂

    Liebe Grüße,
    Babsi

    • Hallo Babsi,

      sehr schön, genau so muss das sein und ich würde mich riesig freuen, wenn du mir irgendwann erzählst, wie dir die Bücher gefallen haben!

      Viele Grüße
      Juliana

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