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Eric Nil: Abifeier

Seit über dreißig Jahren sind meine Eltern glücklich verheiratet. Dass das heutzutage in vielen Fällen alles andere als selbstverständlich ist, wird auch in dem Roman Abifeier von Eric Nil schnell klar. Für viele Menschen ist das klassische Familienbild eingestaubt. Die Realität sieht mittlerweile anders aus. Wie die einzelnen Flicken einer Patchworkdecke sind in der heutigen Zeit auch Familien immer öfters wild zusammengewürfelt. In einer solchen Konstellation befindet sich auch der Ich-Erzähler der vorliegenden Geschichte. Und als wäre es nicht genug, die mehr oder weniger begeisterten Familienmitglieder und deren Gefühle unter einen Hut zu bekommen, steht auch noch die Abschlussfeier der Tochter auf dem Plan. Du kannst es dir vermutlich schon denken. Das Chaos ist damit quasi vorprogrammiert.

Wer sitzt bei der Feier mit wem an einem Tisch? Wie lässt sich ein Aufeinandertreffen der jetzigen und verflossenen Partner am besten vermeiden? Und wie geht man mit einem Sohn um, der seit der Trennung der Eltern so gar keinen Bock mehr auf den Vater hat? Um diese und ähnliche Fragen dreht sich fast alles. Der eigentliche Anlass, nämlich die Tatsache, dass die Tochter nun mit den bestandenen Abschlussprüfungen so gut wie erwachsen ist und in die Welt hinauszieht, gerät dabei ganz in Vergessenheit.

Mich haben vor allem die beiden Worte scharfsinnig und bitter-ironisch auf der Rückseite des Umschlags angelockt. Gegen Humor lässt sich schließlich nichts sagen. Wenn es einer Geschichte gelingt, an den passenden Stellen für Lacher zu sorgen, dann habe ich sicherlich nichts dagegen einzuwenden. Damit komme ich allerdings schon zum eher negativen und unangenehmen Teil dieser Buchbesprechung. Bittere Ironie und scharfzüngige Dialoge habe ich nämlich vergeblich gesucht. Wenn eine gewisse Erwartung aufgebaut und dann nicht erfüllt wird, ist das alles andere als schön. Der Autor Eric Nil, der hier unter einem Pseudonym schreibt, beweist eine treffsichere und gute Beobachtungsgabe, schrammt damit aber während der gesamten Handlung nur an der Oberfläche entlang. Da ich familientechnisch noch nie so zwischen den Stühlen gesessen bin, fällt es mir eventuell schwerer, mich in die Situation hineinzudenken. Der knallharte, schonungslose Blick hinter die Fassade hat mir dennoch an jeder Ecke gefehlt. Vielleicht lag es an mir und meinen persönlichen Erfahrungen, weshalb das Gelesene mich nicht ganz erreichen wollte. Vielleicht hätte es aber auch einfach ein bisschen mehr von allem sein können.

Hast du Abifeier von Eric Nil gelesen? Vielleicht magst du mir erzählen, ob du es ähnlich empfunden hast. Das interessiert mich eigentlich immer sehr, aber natürlich erst recht, wenn ich mich als Leser fast schon selbst in Frage stelle und Zweifel habe, ob es an mir oder dem Buch lag.

 


Titel: Abifeier
Autor: Eric Nil
Hardcover – 160 Seiten – 17,00 Euro
ISBN: 978-3-86971-165-2
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