Buchtipp, Gedanken
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Es sind die stillen Momente, die zählen.

Es gibt Zeiten, da springe ich unruhig von Buch zu Buch ohne eins zu beenden. Ich lese ungefähr die ersten 50 Seiten und lasse mich von einer anderen Geschichte ablenken, bei der ich aber ebenfalls nicht stecken bleibe. Die Augen folgen den Zeilen, der Kopf nimmt aber nichts von dem Gelesenen auf. In den meisten Fällen ist diese Unruhe auf irgendwelche äußeren Umstände zurückzuführen. Letzte Woche hat mich ein überraschender Eingriff beim Zahnarzt aus dem Konzept gebracht. Dass mir ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt dieses kleine, stille Buch in die Hände fiel, kann ich nur als Wink des Schicksals verstehen.

Viel zu selten mache ich mir Gedanken über die Stille und was sie bedeutet, obwohl ich sie doch dringend benötige in all dem Trubel, der sich Leben nennt. Tagtäglich strömen Verpflichtungen auf mich ein, die erledigt werden wollen. Gefühlt werden es immer mehr, auf jeden Fall nicht weniger. Ständig bin ich von Geräuschen umgeben und von Dingen, die Aufmerksamkeit fordern und Energie kosten. Ständig habe ich das Gefühl, etwas tun zu müssen. Effektiv sein, möglichst viele Punkte von der to-do-Liste abhaken. Die wenigen Stunden nach der Arbeit wollen schließlich sinnvoll genutzt werden. Nachdem ich Stille – Ein Wegweiser von Erling Kagge gelesen habe, tritt all das zurück in den Hintergrund. Stattdessen wird mir wieder bewusst, wie wichtig es ist, zur Ruhe zu kommen.

Und an dieser Stelle kommt ein entscheidender Aspekt, der vermutlich viel zu oft übersehen wird. Für diese Ruhe muss ich nämlich nicht erst ans Ende der Welt reisen, auf den Urlaub oder das nächste Wochenende warten. Ich kann sie jederzeit und überall finden. Ich kann die Augen schließen  und auf meinen Herzschlag, meine Atmung achten. Währenddessen lasse ich die Welt einfach Welt sein und konzentriere mich voll und ganz auf mich und den Augenblick.

Nun könnte der Gedanke aufkommen, dass es beim Thema „Stille” um Meditation geht. Sicherlich kann man meditieren, um die innere Balance zu finden. Das ist aber noch lange nicht alles. Deutlich wird es an den drei zentralen Fragen, die der Autor zu Beginn stellt.

Was ist Stille? Wo ist sie? Warum ist sie heute wichtiger denn je?

Sie gehen mir auch jetzt einige Tage später noch durch den Kopf. Mittlerweile habe ich seine 33 Antworten auf mich wirken lassen und bin der Bedeutung von Stille einige Schritte näher. Wie es schon der Untertitel des Buches verspricht, hat er mir tatsächlich einen Weg aufgezeigt, den ich gehen kann, um darüber hinaus meine ganz eigenen Antworten zu finden.

Was ist Stille?

Wenn ich nachts für einige Minuten wachliege, ist sie beinahe körperlich greifbar.

Nach dem Aufstehen spüre ich sie während ich in der Küche warte, dass das Wasser für den Tee anfängt zu sprudeln.

Ein Spaziergang durch den Wald oder die Felder, nur das Zwitschern und Pfeifen der Vögel in den Ohren.

Das Tanzen von Schneeflocken im Schein einer Laterne.

Das Knirschen, das meine Schritte im Schnee hinterlassen.

Der Moment, wenn ich wenige Sekunden die Augen schließe und in mich hinein höre.

Der Blick zum abendlichen Farbenspiel am Horizont.

Das Knistern und die Wärme des Kaminfeuers und leise Musik im Hintergrund.

Und vieles mehr.

Wo ist sie?

Überall um mich herum. In jeder Kleinigkeit, jedem Detail, das ich zu schätzen weiß, das mich zum Staunen bringt, mir ein Lächeln auf die Lippen zaubert, mir ein lautes Lachen entlockt, mich innehalten lässt, auch wenn es nur für Sekunden ist.

Warum ist sie heute wichtiger denn je?

Wie schon beschrieben muss immer alles schnell gehen, alles muss reibungslos funktionieren und perfekt sein. Das ist zumindest das Gefühl, das einem die Gesellschaft oft vermittelt, bewusst oder unbewusst. Dabei vergisst man meist das Wichtigste: Sich selbst.

Stille ist nicht einfach nur das Gegenteil von Lärm. Stille ist viel mehr. Sie erdet mich und bringt mich zurück zu dem, was zählt. Sie schenkt mir mehr Ausgeglichenheit und Glück.

1 Kommentare

  1. Denise sagt

    Huhu♥
    Ich bin gerade auf dein Blog gestoßen und das hier war der erste Beitrag den ich gelesen habe. Wow der ist wirklich sehr intensiv!
    Du hast wirklich ein Talent Worte “auf Papier” zu bringen!

    Ich werde mich jetzt mal ein bisschen weiter auf deinem Blog umgucken!

    Liebste Grüße

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