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Franziska Seyboldt: Rattatatam, mein Herz

Ansgt hat viele Gesichter und ist gerade dadurch unberechenbar. Sie schleicht sich an und kriecht dir allmählich unter die Haut. Manchmal überfällt sie dich aus heiterem Himmel und schlägt dich radikal nieder. Sie sorgt für Herzklopfen, das kontinuierlich an Tempo zunimmt. Sie beschert dir schwitzige, kalte Hände oder eine zittrige Stimme. Sie ist aber auch zu weitaus schlimmeren Auswirkungen fähig. Möglicherweise verfolgt die Angst hin und wieder das gleiche Schema. Sie kann aber auch von Mensch zu Mensch oder von Situation zu Situation variieren. Welche Gestalt sie annimmt, merkt man meist erst dann, wenn sie bereits da ist.

Franziska Seyboldt teilt mit uns Lesern ihre frühesten Erinnerungen an die Angst und berichtet im selben Atemzug offen und ehrlich von Lebenssituationen, die für sie in der Vergangenheit erschreckende Ausmaße angenommen haben. Liest man die Schlagzeilen in der Presse oder verfolgt Gesprächsrunden in der Öffentlichkeit, fällt schnell auf, dass zwar immer mehr über psychische Erkrankungen gesprochen wird, aber Angststörungen darin nur wenig oder selten Platz finden.

Angst wird in vielen Fällen viel zu schnell mit Schwäche in Verbindung gebracht. Im Handumdrehen wird man in eine Schublade gesteckt. Die eigene Reaktion wird als überempfindlich eingestuft und mit Sätzen wie „Das ist doch nicht so schlimm!“ heruntergespielt. Es wird der ganzen Sache schlicht und einfach nicht ausreichend Ernst und Verständnis entgegengebracht. Dabei ist Angst alles andere als schwach. Sie ist vielmehr menschlich und wird meist durch bestimmte Erinnerungen, Gedanken, Geschehnisse und andere Gefühle ausgelöst. Ich kann mir keinen Menschen vorstellen, der in seinem Leben noch nie in irgendeiner Form mit Angst konfrontiert war. Ausgewachsene Angstattacken, die sich auf verschiedenste Lebensbereiche ausweiten können, nehmen natürlich oftmals ganz andere Dimensionen an als ein leichtes Herzklopfen vor einem Vorstellungsgespräch oder einer anderen ungewohnten Situation. Das Grundgefühl kennt aber jeder. Vielleicht gibt es aber auch Menschen im Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis, die nach Außen scheinbar gut drauf sind, die aber die größten Ängste ausstehen, wenn keiner hinschaut.

Umso wichtiger und mutiger ist die Entscheidung von Franziska Seyboldt, mit diesem Thema dermaßen offen umzugehen und Rattatatam, mein Herz zu veröffentlichen. Von vornherein ist unmissverständlich klar, dass es sich um keinen Ratgeber im herkömmlichen Sinne handelt. Das bedeutet, sie gibt keine Ratschläge, wie man am besten mit Ängsten umgeht. Dieses „am besten“ ist nämlich schlichtweg nicht möglich, da Angst für jeden etwas anderes bedeutet und jeder entsprechend anders darauf reagiert und damit umgeht. Durch ihre Offenheit nimmt sie aber den Schleier von einem Thema, das alle betrifft. Mit diesem lesenswerten Buch macht sie Mut  und vermittelt das starke Gefühl, dass man sich für seine Ängste nicht zu schämen braucht. Ein Gedanke, der meist viel zu schnell von der Angst überlagert wird, und der dadurch erheblich an Bedeutung gewinnt.


Titel: Rattatatam, mein Herz – Vom Leben mit der Angst
Autorin: Franziska Seyboldt
Hardcover – 256 Seiten – 16,99 Euro
ISBN: 978-3-462-31684-1
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