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Jandy Nelson: Ich gebe dir die Sonne

Es liegt mehrere Wochen zurück, dass ich Ich gebe dir die Sonne von Jandy Nelson gelesen habe. Seitdem geistert es mir immer wieder im Kopf herum. Kurze Momentaufnahmen blitzen auf, wie die Sonne, die sich einen Weg durch die Wolken bahnt. Während dem Lesen ist deutlich spürbar, dass viele Gegensätze aufeinanderprallen und so eine unvergleichbar schöne Geschichte entstehen lassen, die sich vom Mainstream abhebt und einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Die Zwillinge Jude und Noah könnten kaum unterschiedlicher sein. Eine Tatsache, die sich sogleich offenbart und nicht zu leugnen ist. Jude ist extrovertiert, lebhaft, manchmal frech und vor allem außerordentlich risikofreudig. Noah übernimmt den ruhigeren Part. Er ist eher introvertiert, verträumt, unauffällig und glänzt mit künstlerischem Talent. Außerdem ist er zum ersten Mal verliebt, in den Jungen von nebenan. Das und ein weiteres einschneidendes Erlebnis stellt die Welt der Geschwister von einem auf den nächsten Tag vollständig auf den Kopf. Ein schwerwiegender Wendepunkt in ihrem jungen Leben, der alles verändert. Jude zieht sich immer stärker zurück. Noah lässt seinen Traum schleifen und scheint wie ausgewechselt. Besonders fatal ist die Auswirkung auf die Beziehung zwischen den beiden. Das enge Band bröckelt und durch den kontinuierlichen Wechsel zwischen der Zeit vor und nach dem Schicksalsschlag sowie die zwei Perspektiven, die einfließen, spürt der Leser wie verfahren die Situation tatsächlich ist.

In vielen Jugendbüchern nimmt eine vorhersehbare, monoton verlaufende Liebesgeschichte den entscheidenden Platz ein. Auch in hier ist es die Liebe, die alles miteinander verbindet, aber auf einer anspruchsvolleren, tiefsinnigeren Ebene. Unterstrichen wird das durch den unverwechselbaren Erzählstil der Autorin, der sich in den Gedankengängen und Charakterzügen der Protagonisten widerspiegelt. Scharfsinnig, dramatisch, schön und eindringlich wird die Welt von zwei jungen Menschen gezeichnet, die sich auf der Suche nach sich selbst befinden. Ein Weg, den wohl jeder geht und der viel bewirkt, aber manchmal nicht leicht zu gehen ist. All das macht es zu etwas, mit dem man sich identifizieren kann, das nachvollziehbar oder gar greifbar ist und die eigenen Gedanken durcheinander wirbelt. Ein Jugendroman, der mit seiner Einzigartigkeit und einer unbändigen Leidenschaft für die Kunst alles andere überstrahlt und dadurch lange in Erinnerung bleibt!

Jandy Nelson: Ich gebe dir die Sonne. cbt Verlag.
ISBN: 978-3-570-16459-4. 480 Seiten. 17,99 Euro.

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