Buchtipp Rezensionen

Jason Starr: Phantasien

Wenn man durch die Straßen läuft, fragt man sich hin und wieder wie es wohl hinter den verschlossenen Türen aussieht. Manche Häuser strahlen eine heile Welt aus. Aber was für ein Leben leben die Menschen, die in der eigenen Nachbarschaft oder im selben Ort wohnen wirklich? Schließlich liest man in den Nachrichten oft genug von den schrecklichsten Taten und hinterher will davon niemand auch nur etwas geahnt haben. Obwohl sich in unmittelbarer Nähe dramatische Familientragödien ereignen, die alles ins Chaos stürzen.

Jason Starr legt in seinem Roman Phantasien den Fokus auf einen kleinen Vorort von New York, der ebenfalls auf den ersten Blick eher unscheinbar wirkt. Und diejenigen, die sich in der Savage Lane niedergelassen haben, können sich erst recht nicht beschweren. Ein großes Haus mit Garten, eine schöne Familie und viele ebenso wohlhabende Freunde sind hier alles andere als ungewöhnlich.

Allerdings wird ziemlich schnell klar, dass nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Schon auf den allerersten Seiten wird dieser erste Eindruck zerstört. Und ab da führt Starr nicht nur seine Protagonisten an der Nase herum. Selbst mir als Leser ging es so. Ich habe mich mehrmals dabei erwischt, wie ich sprachlos und ungläubig auf die Buchseiten starrte. Währenddessen dachte ich immer wieder, wie verrückt man doch sein muss. Was geht in den Köpfen der Menschen nur vor? Manche scheinen die Realität völlig aus den Augen zu verlieren.

Erzählt wird alles aus der Sicht verschiedener Charaktere, die manchmal eine größere und manchmal eine kleinere Rolle spielen. Langeweile ist in diesem Buch auf jeden Fall ein Fremdwort. Es tauchen immer wieder neue Wahrheiten auf, die die friedvolle Oberfläche durchstoßen. Neue Tatsachen, die alles was zuvor geschehen ist in den Schatten stellen.

Hat Mark Berman wirklich eine Affäre mit der alleinerziehenden Nachbarin Karen? Und welche dunklen Geheimnisse hat eigentlich seine Frau Deb? Zwei zentrale Fragen, aber noch lange nicht die einzigen, die man sich während des Lesen stellt. Denn nicht nur die Hauptprotagonisten haben einiges zu verstecken. Starr deckt nach und nach die kleinen und großen Lügen auf, die sich in diesem beschaulichen Vorort breitgemacht haben. Keiner bleibt verschont.

Jason Starr gewährt dem Leser einen exklusiven Blick hinter verschlossene Türen und legt dabei alles gnadenlos offen. Er beschreibt Betrügereien und Geheimnisse ohne Rücksicht auf Verluste. Schnappt euch dieses Buch und werdet zum Beobachter der heimlichen Intrigen und Phantasien der Savage Lane!

Jason Starr: Phantasien. Diogenes Verlag.
ISBN: 978-3-257-30032-1. 400 Seiten. 12 Euro.

Foto oben: Alvin Engler auf Unsplash

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