Buchtipp Rezensionen

Joachim Meyerhoff: Alle Toten fliegen hoch – Amerika

In Alle Toten fliegen hoch nimmt Joachim Meyerhoff den Leser mit nach Amerika. Raus aus der zwar sehr schönen und ländlichen, aber oft auch monotonen, alltäglichen Idylle. Denn genau dort, oben im Norden Deutschlands, hat der 17-jährige Joachim seine Kindheit verbracht. Nun zieht es ihn in die weite Welt hinaus und ein Stipendium für das Austauschjahr in den USA ist die beste Gelegenheit. Da er jedoch nicht der Einzige ist, der diesen großen Wunsch hegt, ist ein Auswahlverfahren die erste Hürde, der er sich stellen muss. Viele der Teilnehmer wirken auf ihn abgehoben und oberflächlich. Gefühlt trennen ihn Welten von diesen coolen, hippen Jugendlichen. Ob er da tatsächlich mithalten kann und sein Traum wahr wird?

Schon längere Zeit habe ich es in Erwägung gezogen, es mal mit einem Meyerhoff zu probieren. Schließlich hatte ich schon mehrmals am Rande mitbekommen, wie sich Kollegen darüber unterhielten und in den höchsten Tönen schwärmten. Eines Abends auf dem Heimweg, während eines wirklich kurzen Abstechers in die Bahnhofsbuchhandlung, habe ich kurzerhand entschieden Nägel mit Köpfen zu machen und eines seiner Bücher mitzunehmen. Zu dieser Zeit hatte ich zahlreiche andere Bücher angelesen und immer wieder vor Langeweile oder vielmehr Desinteresse kapituliert. Als ich dann am besagten Abend am Bahnsteig stand und die ersten Seiten in Alle Toten fliegen hoch – Amerika las, wusste ich sofort, dass diese deprimierende Leselaune beendet ist. Wie dieser Mann schreibt ist einmalig! Er nimmt einen von der ersten Sekunde an gefangen. Neben mir standen viele Menschen, die ebenfalls auf ihren Zug warteten und ich hatte während des Lesens einfach nur ein glückliches, breites Grinsen im Gesicht. Bisher habe ich kaum einen Autor erlebt, der die Situationskomik auf eine solch feinfühlige Weise beherrscht.

Meist sind es Kleinigkeiten oder Verhaltensweisen von Personen, die eigentlich gar nicht lustig sind. Beispielsweise von seinen neuen Klassenkameraden oder der Gastfamilie. Trotzdem wirken die teilweise trockenen Darstellungen so komisch, dass sie unweigerlich ein Lachen hervorrufen und einen belustigt den Kopf schütteln lassen. Der Kulturschock ist offensichtlich!

Er ist zu jedem Zeitpunkt offen und ehrlich mit sich selbst. Hat scheinbar keine Angst davor sich zu blamieren. Einfach der zu sein, der man ist. So habe ich die erzählten Erlebnisse empfunden. Und das hat mir so unfassbar gut gefallen und mich nachhaltig beeindruckt.

Leider ist das Leben nicht nur schön. Es passieren Dinge, die einen erstarren lassen. Die dafür sorgen, dass man jeglichen Halt verliert. Das bleibt auch in diesem Buch nicht aus. Als das Schicksal urplötzlich zuschlägt, war ich im ersten Augenblick erschrocken. Die Gefühle von Joachim und seiner Familie sind körperlich spürbar. Sie treffen geradewegs ins Herz und stimmen nachdenklich. All das klingt nach leeren Phrasen, hat sich aber genau so angefühlt. Im weiteren Verlauf wird deutlich, wie unterschiedlich Menschen mit Trauer umgehen. Manche brauchen Abstand und suchen Ablenkung. Andere müssen ihre Wut und alles was damit verbunden ist rauslassen, um es irgendwie zu verarbeiten. Beiden Reaktionen ist nichts vorzuwerfen.

Gar nicht so einfach bei einem solch großartigen Werk abschließend die richtigen Worte zu finden. Egal welche Formulierungen ich wähle, sie werden dem was man während des Lesens fühlt und durchlebt nicht annähernd gerecht. Im wahrsten Sinne des Wortes ein faszinierender Autor, der hier eine exzellente, herrlich komische und lebensbejahende Erzählung vorlegt!

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