Buchtipp, Rezensionen
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Karine Tuil: Die Gierigen

In der Regel merke ich gleich auf den ersten Seiten, ob ein Buch und ich dieselbe Sprache sprechen. Es gibt Fälle, da schlägt es unmittelbar nach den ersten Zeilen wie ein Blitz ein. Die Chemie passt einfach. Manche brauchen etwas länger und können mich aber schließlich doch noch von sich überzeugen. Was ich allerdings mit „Die Gierigen“ erlebt habe, ist mir in der Form noch nie passiert.

Wie so oft waren die Erwartungen vor dem Lesen überdurchschnittlich hoch. Die Vorfreude stand dem in nichts nach. Dennoch stellte sich wenig später eine gewisse Ernüchterung ein. Der reiche Staranwalt Sam wirkt in seiner überheblichen und oberflächlichen Art einfach unsympathisch und erzeugt dadurch ein sehr unschönes Gefühl beim Lesen. Vielleicht lässt es sich am besten mit Unbehagen beschreiben. Schnell ist klar, dass er weiß was er will und sich genau das nimmt, ohne Rücksicht auf andere. Mit seinen Affären führt er eine Art Doppelleben, das bei mir regelrecht für Übelkeit sorgt. Der Schriftsteller Samuel, der sich erfolglos durch sein Leben kämpft und nach dem Seitensprung seiner Freundin Nina ebendieses beenden möchte, hinterlässt bei mir zusätzlich ein starkes Gefühl von Beklemmung. Die trostlosen Lebensumstände des Paares sind was Hoffnungslosigkeit und Tristesse betrifft kaum zu überbieten. Sie stehen in einem harten Kontrast zu dem luxuriösen Leben von Sam, der vor rund zwanzig Jahren in einem Verhältnis zu Samuel und Nina stand und nun durch Zufall wieder in ihr Blickfeld gerät.

All diese negativen Gefühle führten dazu, dass ich mit dem Gedanken spielte, das Buch abzubrechen. Inzwischen weiß ich, dass mir so eine grandios konstruierte Geschichte entgangen wäre. Eine Geschichte, die nicht nur von gegenseitiger Abhängigkeit erzählt, sondern gleichermaßen von der Suche nach den eigenen Wurzeln. Sie handelt von Menschen, die durch fehlende Perspektiven auf fatale Abwege geraten und von dem tiefen Fall der auf grenzenlose Gier folgt.

Die französische Schriftstellerin Karine Tuil versammelt gekonnt verschiedene aktuelle Themen, die sowohl von politischer Dringlichkeit sind als auch auf der persönlichen Ebene lange nachhallen. Sie alle einzeln aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Ohnehin ist es besser, wenn man die Geschichte möglichst ohne viel Vorwissen auf sich wirken lässt. Schaut hinter die Fassade von Reichtum und Armut, von Freundschaft und Liebe. Lest es und ihr werdet verstehen.


Titel: Die Gierigen
Autorin: Karine Tuil
Taschenbuch – 479 Seiten – 12,99 Euro
ISBN: 978-3-7466-3181-3
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4 Kommentare

  1. Das klingt nach einem wirklich guten Buch. Ich bin sehr gespannt. Schön, dass wie Deinen Blog entdeckt haben. Wir kommen wieder =)

    Neri und Jenni

    • Juliana sagt

      Habt ihr vor es zu lesen? Falls ja, erzählt mir hinterher gerne wie es euch gefallen hat. Ich würde mich freuen!

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