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Mareike Fallwickl: Dunkelgrün fast schwarz

Sobald ich auch nur an Dunkelgrün fast schwarz denke, fängt mein Herz an schneller zu schlagen. Es ist eine Geschichte von außergewöhnlicher Intensität. Zwischen den unzähligen Neuerscheinungen, die Monat für Monat erscheinen, nimmt es einen ganz besonderen Stellenwert ein. Ende letzten Jahres durfte ich das Buch lesen und hätte im Anschluss am liebsten meine Begeisterung in die Welt hinausgeschrien und es jedem, der mir über den Weg läuft, in die Hände gedrückt. Gleichzeitig hat das Gelesene bewirkt, dass meine Gedanken daran bis heute ziellos umherschwirren. Sie lassen sich nicht einfangen, strahlen aber eine kaum zu übertreffende Präsenz aus. Ähnlich habe ich zuletzt bei Das größere Wunder von Thomas Glavinic empfunden. Beides sind für mich Lebensbücher. Ich lese sie nicht nur, ich lebe sie. Atme sie förmlich ein, wodurch sie ein Teil von mir werden.

Die Handlung ist ebenso schwer in Worte zu fassen wie die Gefühle, die während dem Lesen ausgelöst werden und lange danach weiter nachklingen. Ich möchte nicht in Floskeln abdriften, sondern vielmehr bis ins kleinste Detail und wohl überlegt darlegen, wieso es ein solch besonderes Buch ist. Es ist eine Geschichte, die von drei jungen Menschen handelt. Wie durch Zufall treffen Raffael und Moritz im Kindesalter aufeinander. Ab da sind sie wie durch einen unsichtbaren Faden miteinander verbunden. Ein Faden, der wie es scheint nicht zu durchtrennen ist. Raf übernimmt von der ersten Sekunde an den dominanten Part, was allerdings noch harmlos ausgedrückt ist. Seine bestimmende und unerbittliche, oft ziemlich herablassende Art, nimmt mit dem Alter immer mehr überhand und geht von kleinen Sticheleien zunehmend ins Extreme über. Motz ist hingegen ein eher ruhiger, sehr sensibler Mensch und damit im Grunde das absolute Gegenteil von seinem scheinbar besten Freund, der keine Gelegenheit für Provokationen verstreichen lässt. Als schließlich Johanna während der Schulzeit auf der Bildfläche auftaucht, gerät alles nach und nach aus den Fugen. Die Freundschaft bewegt sich zunächst unsichtbar, dann aber immer offensichtlicher unaufhaltsam auf einen Abgrund zu. Währenddessen schwebt über allem stets eine Frage: Ist die Grausamkeit manchen Menschen angeboren? Oder was treibt Raf dazu an, seine Mitmenschen, allen voran Motz, unerbittlich herauszufordern und zu reizen? Ist es tatsächlich denkbar und möglich, dass sich solche Eigenschaften nicht erst durch diverse Lebenserfahrungen entstehen, sondern schon von Beginn an in einem stecken?

Eindringlich, düster, zerbrechlich, unverfälscht, lebendig, unergründlich. Das sind einige Wörter, die mir an dieser Stelle in den Sinn kommen und die sich dennoch nicht so einfach in einen Kontext bringen und erklären lassen. Mareike Fallwickl löst mit wenigen, prägnanten Sätzen eine wahre Flut an Gefühlen aus, die mich als Leserin sofort für sich einnehmen. Sie wecken in mir den Wunsch, das Buch gleich nochmal zu lesen, um all das erneut zu fühlen. Und um den unausgesprochenen Worten zwischen den Zeilen noch stärker nachzuspüren. Erst letztens habe ich von dem neuen Lesekreis der örtlichen Buchhandlung Wolf berichtet. Für die nächste Runde durfte ich ein Buch vorschlagen. Dass meine Entscheidung auf Dunkelgrün fast schwarz fiel, war unausweichlich. Ich kann es schon jetzt kaum erwarten, mit anderen in ein Gespräch über diese Geschichte eintauchen zu können und dir kann ich nur raten, es ebenso schnellstmöglich zu lesen.


Titel: Dunkelgrün fast schwarz
Autorin: Mareike Fallwickl
Hardcover – 480 Seiten – 24,00 Euro
ISBN: 9783627002480
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