Buchtipp Rezensionen

Sarah Elise Bischof: Panthertage

Am 5. Oktober fand der so genannte Tag der Epilepsie statt, an dem sich die Autorin Sarah Elise Bischof gemeinsam mit weiteren Experten als Ansprechpartner für Betroffene, Angehörige und andere Interessierte zur Verfügung stellte. Mir hat diese Information eine Erinnerung ins Gedächtnis zurückgerufen. Und zwar daran, was ich damals beim Lesen ihrer „Panthertage“ empfand. Ein wichtiges Buch, das nicht in Vergessenheit geraten darf und das ich euch daher an dieser Stelle erneut ans Herz legen möchte.

Auf den insgesamt 208 Seiten taucht man unmittelbar in die Gedankenwelt der Hauptprotagonistin Sarah ab, die im Alter von 20 Jahren die Diagnose Epilepsie erhielt. Eine Krankheit, die sich in diesem Fall nicht mit kleinen Schritten anbahnte, sondern wie aus dem Nichts die Kontrolle zu übernehmen versuchte. Wie schwer es ist, eine solche Krankheit in den eigenen Alltag einzubinden, beschreibt Sarah auf sehr einprägsame Art und Weise. Ich muss gestehen, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht allzu viele bis gar keine Berührungspunkte mit diesem Thema hatte. Vielmehr war ich auf diesem Gebiet bislang größtenteils unwissend und unerfahren unterwegs. Eine Freundin hatte mir jedoch kurz zuvor erzählt, wie sie auf einem Bahnhof einen epileptischen Anfall eines jungen Mannes miterlebte. Weitaus erschreckender war jedoch, dass einige Passanten einfach nur da standen, um zu glotzen oder vorbeiliefen anstatt zu helfen. Das wird auch von der Autorin selbst aufgegriffen. Wie reagiert man in so einem Fall am besten? Wie kann man dem Betroffenen zur Seite stehen? Fragen, die von essentieller Bedeutung sind und über die man hier während des Lesens mehr erfährt.

Das Lesen dieses Buches war in meinen Augen hauptsächlich von zwei Emotionen geprägt. Auf der einen Seite habe ich eine wahnsinnige Sympathie für Sarah empfunden. Dieses Gefühl war von Anfang an präsent. Sie hat eine unheimlich erfrischende Art und tritt dem Leser aufgeschlossen entgegen. Wie sie mit unangenehmen Situationen umgeht, hat mich nachhaltig beeindruckt. Vor allem ihre Schlagfertigkeit und ihr Humor sind mir dabei besonders positiv aufgefallen.

Ihre starke Persönlichkeit zieht sich wie der sprichwörtliche rote Faden durch das gesamte Buch. Sarah lässt sich trotz der Rückschläge nicht unterkriegen und schaut stets nach vorne. Man merkt mit jeder Zeile wie sehr sie das Leben genießt und zu schätzen weiß. In manchen Momenten mag es unglaublich schwer sein, sich wieder aufzuraffen. Wer nicht unmittelbar davon betroffen ist, kann sich das vermutlich nicht annähernd ausmalen. Nach einem epileptischen Anfall braucht der Körper ausreichend Zeit und Ruhe, um wieder neue Kraft zu sammeln. Es ist unfassbar wichtig, dass der Stress nicht überhandnimmt und der Körper dadurch stets im Gleichgewicht bleibt. Neben der Sympathie für Sarah habe ich an einigen Stellen aber auch eine unbändige Wut verspürt. Es ist unvorstellbar, wie unverschämt, rücksichtslos und unsensibel manche Menschen sind. Manchmal ist es wahrscheinlich auf das reine Unwissen und eine gewisse Unbeholfenheit zurückzuführen. Weitaus öfters ist es aber vielleicht auch das Fehlen von jeglichem Einfühlungsvermögen. In solchen Situationen würde man am liebsten ordentlich auf den Tisch hauen und diejenigen, die so gedankenlos handeln, ordentlich durchschütteln.

Das Talent, im richtigen Moment die passenden Worte zu finden, ist bei Sarah Elise Bischof unverkennbar vorhanden. Panthertage ist ein Buch, das einen festen Platz im Regal verdient. Es hilft nicht nur die Auswirkungen und Hintergründe von Epilepsie besser zu verstehen, sondern vermittelt gleichzeitig ein starkes und selbstbewusstes Lebensgefühl.

Bei Karla Paul findet ihr hier ein nach wie vor sehr lesenswertes Interview mit Sarah Elise Bischof.


Sarah Elise Bischof: Panthertage. Eden Books.
ISBN: 978-3-944296-93-7. 208 Seiten. 14,95 Euro.

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