Alle Artikel mit dem Schlagwort: Buchtipp

Karine Tuil: Die Gierigen

In der Regel merke ich gleich auf den ersten Seiten, ob ein Buch und ich dieselbe Sprache sprechen. Es gibt Fälle, da schlägt es unmittelbar nach den ersten Zeilen wie ein Blitz ein. Die Chemie passt einfach. Manche brauchen etwas länger und können mich aber schließlich doch noch von sich überzeugen. Was ich allerdings mit „Die Gierigen“ erlebt habe, ist mir in der Form noch nie passiert.

Es sind die stillen Momente, die zählen.

Es gibt Zeiten, da springe ich unruhig von Buch zu Buch ohne eins zu beenden. Ich lese ungefähr die ersten 50 Seiten und lasse mich von einer anderen Geschichte ablenken, bei der ich aber ebenfalls nicht stecken bleibe. Die Augen folgen den Zeilen, der Kopf nimmt aber nichts von dem Gelesenen auf. In den meisten Fällen ist diese Unruhe auf irgendwelche äußeren Umstände zurückzuführen. Letzte Woche hat mich ein überraschender Eingriff beim Zahnarzt aus dem Konzept gebracht. Dass mir ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt dieses kleine, stille Buch in die Hände fiel, kann ich nur als Wink des Schicksals verstehen.

Franziska Seyboldt: Rattatatam, mein Herz

Ansgt hat viele Gesichter und ist gerade dadurch unberechenbar. Sie schleicht sich an und kriecht dir allmählich unter die Haut. Manchmal überfällt sie dich aus heiterem Himmel und schlägt dich radikal nieder. Sie sorgt für Herzklopfen, das kontinuierlich an Tempo zunimmt. Sie beschert dir schwitzige, kalte Hände oder eine zittrige Stimme. Sie ist aber auch zu weitaus schlimmeren Auswirkungen fähig. Möglicherweise verfolgt die Angst hin und wieder das gleiche Schema. Sie kann aber auch von Mensch zu Mensch oder von Situation zu Situation variieren. Welche Gestalt sie annimmt, merkt man meist erst dann, wenn sie bereits da ist.

Trevor Noah: Farbenblind

Stell dir vor, du kommst als Verbrechen auf die Welt. Deine Eltern könnten für mehrere Jahre ins Gefängnis wandern. Und das nur, weil sie Gefühle füreinander haben und du daraus entstanden bist. Von diesem Tag an wächst du in einem Land auf, das von den strikten Regeln der Rassentrennung erschüttert und geprägt ist. Eine Vorstellung, die aus heutiger Sicht beinahe unmöglich erscheint und dennoch gar nicht so fern ist. Trevor Noah wurde 1984 in Südafrika als Sohn einer Einheimischen und eines Europäers geboren und erzählt in seiner Biografie wie er die Auswirkungen der Apartheid am eigenen Leib zu spüren bekam und trotz allem seinen Weg fand.

Buchtipps: Mudbound – Wir hier draussen – Das Glück ist ein Vogerl

Hillary Jordan: Mudbound – Die Tränen von Mississippi Im Jahr 1946 ist das Leben in Mississippi nicht nur aufgrund des Krieges hart und erbarmungslos. Auf der Farm und dem restlichen Gelände, das Laura und ihr Mann verpachten, ist man stets von braunem, nassen Schlamm umgeben. In jeder Ritze, jeder Ecke sitzt er. Seine Kälte kriecht dir unter die Haut. Er klebt an deiner Kleidung und arbeitet sich vor bis in die Falten in deinem Gesicht. Wenn es regnet, ist er besonders hartnäckig.

Emanuel Bergmann: Der Trick

Am 24. Februar 2016 wurde der Debütroman Der Trick von Emanuel Bergmann erstmals in Deutschland veröffentlicht und es freut mich umso mehr, dass ich ihn heute anlässlich des Erscheinens der Taschenbuchausgabe nochmals vorstellen darf. Die Geschichte besteht aus zwei Handlungen, die sozusagen parallel verlaufen, obwohl sie zunächst sowohl zeitlich als auch räumlich weit voneinander entfernt sind. Je mehr man liest, desto näher kommen sich die beiden Handlungsstränge, sodass schnell klar wird, dass sie sich höchstwahrscheinlich zu einem späteren Zeitpunkt überkreuzen werden. Um euch einen besseren Einblick in die Ausgangssituation zu gewähren, möchte ich kurz näher auf die einzelnen Perspektiven eingehen.