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Über Bücher reden

Bücher geben sich manchmal nicht damit zufrieden, einfach nur gelesen zu werden. In ausgewählten Fällen ist es so, dass sie förmlich danach verlangen, dass ausgiebiger über sie gesprochen wird. Es sind die Geschichten, die eine besondere Faszination auf mich als Leser ausüben, die mich beschäftigen und auch Tage, Wochen oder Monate nach dem Lesen noch in meinem Kopf festhängen. Sie begleiten mich durch den Alltag. Das kann auf sehr intensive oder eher leise Art und Weise geschehen. Wenn du wie ich seit der frühesten Kindheit Büchern verfallen bist, wirst du höchstwahrscheinlich verstehen wovon ich rede. Gerade dann, wenn du mit Geschichten vertraut bist, die dich nicht nur unterhalten, sondern die viel mehr von dir einfordern.

Neben der Möglichkeit, sich im Familien- und Freundeskreis, mit Bekannten, auf dem Blog oder in den sozialen Medien auszutauschen, steht mir bald eine ganz andere, neue Erfahrung bevor, die sich bestens dazu eignet, sich gemeinsam stärker mit dem Gelesenen auseinanderzusetzen. Die Rede ist von einem Lesekreis. Schon länger geht mir das durch den Kopf. In meinem näheren Umfeld war mir bisher kein solcher Treff für Bücherliebhaber bekannt. Also habe ich über Monate hinweg mit dem Gedanken gespielt, vielleicht einen eigenen Lesekreis zu gründen. So einfach wie man sich das im allerersten Moment vorstellt, ist es dann aber doch nicht. Selbstverständlich stellt sich als allererstes die Frage, wer sich überhaupt dafür interessieren könnte. Im nächsten Schritt dreht sich alles darum, wie man die Aufmerksamkeit darauf lenkt und diejenigen erreicht. In meinem Freundeskreis wird zwar hin und wieder zum Buch gegriffen, aber doch nicht in diesem Ausmaß, dass hier etwas zustande kommen würde. Zwar haben sich ein paar Freundinnen und Bekannte meiner Mutter gefunden, die schon irgendwie Lust darauf hätten, aber richtig in die Gänge kam das Ganze leider nicht. Aus diesem Grund habe ich im Januar allen Mut zusammengenommen und mich an die Buchhandlung Wolf gewandt.

Und wie es meistens ist, wird Mut belohnt. Es sollte wohl der passende Augenblick für dieses Anliegen sein. Schnell hatte ich eine Antwort im Postfach. Mir wurde mitgeteilt, dass ein Lesekreis so oder so für dieses Jahr auf dem Plan stand und sie grundsätzlich offen dafür wären, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Kurzerhand haben wir uns verabredet und in einer gemütlichen Ecke der Buchhandlung erste Einzelheiten besprochen. Die vorläufigen Termine waren gefunden und bei der Buchauswahl werden wir uns wahrscheinlich abwechseln. Die erste Wahl der Buchhändlerin Carolin Wolf fiel auf Underground Railroad von Colson Whitehead.

Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht – doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit? Colson Whiteheads Roman ist eine virtuose Abrechnung damit, was es bedeutete und immer noch bedeutet, schwarz zu sein in Amerika. – Hanser Literaturverlage

Diese Woche hat mich das Buch erreicht und vorhin habe ich die ersten Seiten gelesen. Der Start fühlt sich für mich etwas holprig an. Vielleicht wegen der vielen, ungewohnten Namen, die auftauchen. Die unerbittliche Dramatik des Themas trägt ebenso dazu bei, sodass es sich sicherlich um alles andere als leichte Kost handelt. Wie oben beschrieben sind aber das die Geschichten, die sich im Gedächtnis verankern, die dich nicht kalt lassen und über die deshalb unbedingt gesprochen werden muss.

Am 05. März habe ich nun nicht nur das Glück, einen Abend in geselliger Runde zu verbringen, in der sich alles um die Geschichte und den harten Lebensweg der Sklavin Cora dreht, sondern habe darüber hinaus die Ehre, einen ersten Vorgeschmack auf das Buch zu geben, das wir am zweiten Termin lesen werden. Ein Buch, das an eben diesem Tag erscheint und dem ich unzählige Leser wünsche, die es hoffentlich genauso sehr lieben werden wie ich!

Erzählt mir gerne von euren Erfahrungen mit Lesekreisen. Habt ihr schon einmal an einem teilgenommen? Wie stellt ihr euch die perfekte Leserunde vor? 

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